Eine Frau mit einem grippalen Infekt liegt im Bett und putzt sich die Nase.

Grippaler Infekt: Wie Homöopathie die Beschwerden lindern kann

Autorin

Experte Alexandra Kuhn

Alexandra Kuhn

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Heilpraktikerin und Homöopathie-Expertin bei der Deutsche Homöopathie-Union (DHU), tätig im Team Medizin und Wissenschaft.

Als Katharina ihren Jüngsten vom Kindergarten abholt, ist er quengelig. Schon am Abend hat der Kleine erhöhte Temperatur und die Nase trieft. Drei Tage später spürt die junge Mutter, dass auch bei ihr eine Erkältung im Anmarsch ist. Einen grippalen Infekt kann man gut selbst behandeln. Doch welche Maßnahmen sind richtig? Gibt es vielleicht auch Hausmittel, die die Beschwerden lindern? Wann sollte ein erkranktes Kind zum Arzt – wann ein Erwachsener? Wir beantworten hier die wichtigsten Fragen zum Thema „Grippaler Infekt“ und haben für Sie wertvolle Informationen und Experten-Tipps zusammengestellt. Erfahren Sie zudem, wie man eine Erkältung auch homöopathisch behandeln kann.

1.  Grippaler Infekt: Kurz zusammengefasst

Wohl jeder kennt die Anzeichen eines grippalen Infekts („Erkältung“): Halskratzen, Schnupfen und Husten sind die typischen Symptome, oft begleitet von Frösteln oder Gliederschmerzen. Das ist von Patient zu Patient verschieden, ebenso die Dauer eines grippalen Infekts. Erwachsene sind normalerweise bis zu dreimal im Jahr erkältet, Kinder bis zu zehnmal.
 
Ein grippaler Infekt ist eine akute Infektion der oberen Atemwege, die durch Viren ausgelöst wird. Dadurch entzündet sich die Schleimhaut in der Nase und im Rachenraum. Die meisten grippalen Infekte verlaufen nach einem typischen Muster. Nach einer Inkubationszeit von gewöhnlich ein bis drei Tagen machen sich die ersten Anzeichen bemerkbar. Die Beschwerden steigern sich etwa bis zum dritten Tag und klingen dann langsam wieder ab. Ein grippaler Infekt ist in der Regel harmlos und dauert circa eine Woche bis 10 Tage.

Ein Mann mit einem grippalen Infekt sitzt im Wohnzimmer und putzt sich die Nase.

Ein grippaler Infekt wird von Viren ausgelöst und zeigt sich meist mit Schnupfen, Husten und Halskratzen. Aber auch Gliederschmerzen können quälen.

Unterschied grippaler Infekt und Grippe

Im Gegensatz zu einem grippalen Infekt wird eine echte Grippe (Influenza) von Influenza-Viren verursacht. Die Symptome sind in der Regel sehr viel heftiger und treten ganz plötzlich auf. Typisch für eine Grippe sind beispielsweise starke Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und Schüttelfrost. Meist haben die Erkrankten hohes Fieber (bis zu 40 °C) und fühlen sich kraftlos. Eine echte Grippe dauert bis zu drei Wochen und sollte ärztlich behandelt werden.

Es gibt auch leichte Verläufe einer Influenza. Dann ist es schwer zu entscheiden, ob eine echte Grippe oder ein grippaler Infekt vorliegt.

Hier sieht man einen Querschnitt eines Virus der für einen grippalen Infekt verantwortlich ist.

Ein Virus ist für uns mit bloßem Auge nicht sichtbar. Erst unter dem Mikroskop kann man z.B. einen Grippeerreger und seinen Aufbau erkennen - hier als Modell im Querschnitt in der 3D Darstellung.

2. Symptome eines grippalen Infekts

Wie fängt ein grippaler Infekt an? Ein bis drei Tage nach der Ansteckung (Inkubationszeit) treten die ersten Symptome eines grippalen Infekts auf. Das sind bei den meisten Erkrankten  

  • Halskratzen beziehungsweise Halsschmerzen, Schluckbeschwerden
  • Schnupfen mit laufender oder verstopfter Nase, beeinträchtigtes Riechen  

In den folgenden drei bis sieben Tagen kommen meist weitere Beschwerden dazu, beispielsweise  

  • leichtes Frösteln
  • Husten
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • erhöhtes Schlafbedürfnis
  • leichtes Fieber 

Welche dieser Erkältungssymptome auftreten und wie ausgeprägt sie sind, ist individuell sehr verschieden.

Um einen grippalen Infekt zu diagnostizieren, untersucht der Arzt den Patienten und stellt anhand seiner Krankengeschichte die Diagnose. Manchmal ist es sinnvoll, den Erreger zu bestimmen, insbesondere wenn die Gefahr für einen schweren Verlauf besteht. Auch um eine möglicherweise vorliegende echte Grippe (Influenza) zu bestätigen, muss der Erreger bestimmt werden.
 
Ein grippaler Infekt heilt in der Regel von allein wieder aus und dauert etwa eine Woche bis 10 Tage, Husten hält manchmal etwas länger an. Der Heilungsprozess kann durch homöopathische Arzneimittel unterstützt werden.

3. Ursachen und Auslöser eines grippalen Infekts

Eine Frau mit einem grippalen Infekt und Fieber liegt im Bett.

Ein grippaler Infekt kann auch mit einer leicht erhöhten Temperatur einhergehen. Dann ist viel trinken besonders wichtig, zum Beispiel schweißtreibende oder fiebersenkende Tees. Ruhe tut ebenfalls gut.

Was löst einen grippalen Infekt aus? Ursache eines grippalen Infekts ist eine Infektion mit Erkältungsviren. Man kennt über 200 verschiedene Arten, die einen grippalen Infekt auslösen können, darunter Rhino-, Adeno- und Corona-Viren. Durch die Infektion entzünden sich die Schleimhäute der oberen Atemwege.

Übertragen werden die Erreger zum Beispiel durch Tröpfcheninfektion, indem man kleine Speicheltröpfchen einatmet, die bereits Infizierte beim Husten, Niesen oder Sprechen ausstoßen.

Aber auch wenn man kontaminierte Flächen berührt, beispielsweise Türgriffe, Handläufe an Treppen, Telefone, Tastaturen und vor allem beim Händeschütteln, und anschließend mit den Händen Mund, Nase oder Augen berührt, können die Erreger durch eine sogenannte Schmierinfektion übertragen werden.

Grippale Infekte treten meistens im Herbst und Winter auf. Zum einen hält man sich dann mehr in geschlossenen Räumen auf, zum anderen leistet aber auch die niedrige Temperatur einer Erkältung Vorschub. Bei Kälte ziehen sich die Gefäße in den Schleimhäuten zusammen, die Durchblutung verschlechtert sich. Das erhöht die Gefahr für das Eindringen von Viren.

Aber auch im Sommer können Erkältungsviren eine „Sommergrippe“ auslösen. Saisonal sind zu dieser Jahreszeit vor allem grippale Infekte durch Coxsackie-Viren relevant, die z.B. auch die Hand-Fuß-Mund-Krankheit verursachen. Sie haben leichtes Spiel: Vor allem durch die Temperaturunterschiede zwischen hohen Außentemperaturen und klimatisierten, trockenen Innenräumen trocknen die Schleimhäute aus. Das begünstigt das Eindringen der Viren.

4. Untersuchung, Diagnose und Abgrenzung

Portrait von Dr. med. Ulf Riker

Ulf Riker

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Dr. med. Ulf Riker ist Arzt für Innere Medizin mit den Zusatzbezeichnungen Homöopathie und Naturheilverfahren. Er ist Autor diverser Fachbücher zum Thema Homöopathie und 2. DZVhÄ-Vorsitzender sowie 1. Vorsitzender des LV Bayern.

Die Symptome eines grippalen Infektes entsprechen meist dem, was wir auch „Erkältung“ nennen. Ursächlich sind fast immer verschiedene Viren, darunter Rhino-, Adeno- oder Corona-Viren.

Die Untersuchung

Die Symptombeschreibung durch den Patienten ergibt meist bereits die Diagnose. Die Untersuchung beschränkt sich dann auf die Messung der Körpertemperatur (meist eher langsam über mehrere Stunden oder 1 bis 2 Tage ansteigend und oft nicht über 39 Grad), auf Inspektion des Rachens (Rötung, Schwellung der Schleimhaut, aber keine Eiterung der Rachenmandeln), Beurteilung der Nasensekretion (typischerweise wässrig, klar, manchmal scharf und wundmachend). Kopf- und Gliederschmerzen bedürfen meist keiner weiteren Diagnostik, weil sie zum typischen Bild eines grippalen Infektes gehören und zeitnah mit den übrigen Symptomen auftreten und auch wieder verschwinden.

Die Diagnose

Die Diagnose eines grippalen Infekts ergibt sich meist bereits durch die Symptomenbeschreibung durch den Patienten. Neben Halsschmerzen und Schnupfen treten meist auch erhöhte Temperatur oder mäßiges Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen auf.

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5. Verlauf, Prognose und Komplikationen

Der Verlauf

Ein grippaler Infekt ist lästig und kann sich über eine Woche, 10 Tage oder manchmal auch über zwei Wochen hinziehen. Nicht zuletzt ist das abhängig vom Zustand des Immunsystems des Kranken. Aber auch die Art des Virus bestimmt die Ausprägung und Symptomatik der Erkrankung. Im Normalfall durchläuft der Infekt verschiedene Stadien, in denen die Symptome auch wechseln können. Erste Anzeichen sind oft Halsschmerzen und eine laufende Nase. In anderen Fällen bilden sich Sekrete erst einige Tage nach Beginn der Erkrankung. Während Husten erst hinzukommt, wenn der Infekt in die unteren Atemwege „absteigt“. Erhöhte Temperatur oder Fieber können auftreten, ebenso Kopf- und Gliederschmerzen.

Die Prognose

Ein unkomplizierter grippaler Infekt klingt in der Regel nach etwa 8-10 Tagen ab.

Die Komplikationen

In allen Fällen ist es wichtig, den Krankheitsverlauf konsequent zu beobachten. Komplikationen drohen, wenn die durch Viren geschädigten Schleimhäute sekundär auch von Bakterien befallen werden und sich ein eitriger Schnupfen (mit gelbem oder gelbgrünem Nasensekret), eine eitrige Bronchitis (mit rasselndem Sekret in den Bronchien) oder eine Lungenentzündung (mit hartnäckigem Husten und Atemnot) entwickelt.

Manchmal entwickelt sich aus einem grippalen Erkältungsinfekt auch eine Nasennebenhöhlen- oder (besonders bei Kindern) eine Mittelohrentzündung. Nicht selten stellen die Komplikationen sogar ein schwereres Krankheitsbild dar als der ursprüngliche Virusinfekt. So muss etwa eine Lungenentzündung (Pneumonie) unbedingt erkannt und behandelt werden. Deshalb müssen bei einer homöopathischen Behandlung immer auch die konventionellen Therapieoptionen im Fokus bleiben.

Rechtlicher Hinweis: Heilpraktikern ist die Behandlung von meldepflichtigen Erkrankungen grundsätzlich nicht erlaubt. Handelt es sich beispielsweise um eine COVID-19 Infektion, müssen Sie sich in ärztliche Behandlung begeben.

6. So bereiten Sie sich auf Ihren Besuch beim homöopathisch ausgebildeten Arzt oder Heilpraktiker vor

Portrait von Stefan Reis

Stefan Reis

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Stefan Reis praktiziert seit 1987 als Heilpraktiker mit eigener Praxis. Er ist von der Stiftung Homöopathie-Zertifikat (SHZ) zertifizierter Therapeut, Dozent und Supervisor. Sein über Jahrzehnte erworbenes Wissen gibt er in seiner Homöopathieschule, in Seminaren und als (Mit-) Herausgeber von Fachliteratur weiter.

Grippale Infekte natürlich behandeln: Bei der homöopathischen Therapie müssen die individuellen Symptome eines jeden Krankheitsfalles genau betrachtet werden, um eine dazu passende Arznei verordnen zu können. Dabei spielen die subjektiven Beschwerden die größte Rolle, die seitens des Behandlers möglichst detailliert erfragt werden.  

Für die Wahl eines homöopathischen Arzneimittels ist beispielsweise die Beantwortung folgender Fragen wichtig: 

  • Kennen Sie einen möglichen Auslöser für Ihren Infekt? Denken Sie z. B. an Zugluft, kalten Wind, Wetterwechsel oder Durchnässung.
  • Beschreiben Sie den bisherigen Verlauf des Infekts möglichst genau: Wann und wie war der Beginn, welche Symptome erschienen in welcher Reihenfolge?
  • Unter welchen Beschwerden leiden Sie aktuell? Haben Sie Fieber, Schnupfen, Husten, Hals-, Kopf- oder Gliederschmerzen? Falls Sie Schmerzen haben: Welcher Art sind diese (ziehend, brennend, drückend, stechend, wie zerschlagen etc.)? Schwitzen Sie vermehrt? Ist das Allgemeinbefinden beeinträchtigt?
  • Sind der Appetit oder der Durst verändert? Ist Ihr Schlaf beeinträchtigt und falls ja, in welcher Weise? Haben Sie Herzklopfen, Schwindel oder andere Kreislaufprobleme? Sind die Augen mitbetroffen? Fallen Ihnen noch weitere, hier nicht genannte Beschwerden ein, die seit Beginn Ihres Infekts aufgetreten sind?
  • Ganz allgemein hilfreich für Ihren Behandler sind Ihre Beobachtungen hinsichtlich der sogenannten „Modalitäten“. Dabei handelt es sich um ganz unterschiedliche Einflüsse, die Ihre Beschwerden verschlimmern oder auch bessern können. Diesbezüglich kann es sich um thermische Reize handeln (Kälte/Wärme) oder um bestimmte Tageszeiten, um die Auswirkungen von Ruhe, Bewegung und Anstrengung sowie um mögliche emotionale Einflüsse. 

Dazu kommen die objektiven Befunde, die man bei der Untersuchung erhebt. All dies zusammen ergibt das vollständige Krankheitsbild, anhand dessen der Homöopath eine passende Arznei auswählt. Nach dem Selbstverständnis der Homöopathie ist es Ziel der homöopathischen Behandlung, den erkrankten Organismus bei der Selbstheilung zu unterstützen und so die Beschwerden zu lindern.

Das für Sie individuell passende Mittel finden

In der Homöopathie wird die Mittelauswahl so genau wie möglich auf den individuellen Menschen und seine jeweilige Gesundheitssituation abgestimmt. Fundiert homöopathisch ausgebildete Fachkräfte beraten Sie optimal und können auch auf Möglichkeiten und Grenzen bei der Behandlung hinweisen. 

Aufgrund der großen Bandbreite an homöopathischen Mitteln sowie der traditionellen, erfahrungserprobten Anwendungsgebiete der einzelnen Mittel (oft ein gutes Dutzend oder mehr) macht eine pauschale Nennung nur eines Mittels oder Anwendungsgebietes bei der entsprechenden Indikation wenig Sinn. 

Nutzen Sie die Therapievielfalt und das Fachwissen Ihrer Gesundheitsexperten: Fragen Sie Ihre naturheilkundlich orientierte Ärztin, Ihren Heilpraktiker oder Ihren Apotheker nach der für Sie passenden Behandlung von grippalen Infekten mit Homöopathie!
 

7. Behandlung eines grippalen Infekts

Portrait von Dr. med. Ulf Riker

Ulf Riker

·

Dr. med. Ulf Riker ist Arzt für Innere Medizin mit den Zusatzbezeichnungen Homöopathie und Naturheilverfahren. Er ist Autor diverser Fachbücher zum Thema Homöopathie und 2. DZVhÄ-Vorsitzender sowie 1. Vorsitzender des LV Bayern.

Da es sich in den allermeisten Fällen um einen Virusinfekt handelt, scheiden Antibiotika als Therapieoption von vornherein aus. In erster Linie sollte man darauf achten, dem Körper Ruhe zu gönnen, viel zu schlafen, ausreichend zu trinken (zum Beispiel heißes Ingwerwasser mit Zitrone) und unnötige Anstrengungen und Aktivitäten zu meiden. So können wir unsere ganze Energie an der Erkältungs-Front bündeln und den Krankheitsverlauf ggfs. abkürzen.

Je nach der im Vordergrund stehenden Symptomatik können lokale Maßnahmen den Gesundungsprozess begleiten:

  • bei Halsschmerzen: Gurgeln mit warmem Wasser, dem eine Prise Salz oder auch Honig sowie Salbeiextrakt zugesetzt wurde
  • bei Stockschnupfen: Wasserdampf-Inhalationen mit Kamillenextrakt, um zähen Nasenschleim zu verflüssigen – abschwellende Nasensprays sollten wegen ihrer austrocknenden Wirkung auf die Schleimhaut sowie Gewöhnung nur sehr zurückhaltend zum Einsatz kommen. Auch Thymian- oder Salbei-Inhalationen können hilfreich sein.
  • bei Husten: an Tee oder Fertigarzneien mit Thymian denken.
  • als Allgemeinmaßnahme für Erwachsene (und sofern keine Herz- beziehungsweise Kreislaufschwäche besteht): ein heißes Vollbad mit anschließendem Nachschwitzen, welches man durch Trinken von heißem Lindenblütentee noch unterstützen kann. Wem ein Vollbad zu anstrengend ist, der kann auch ein sogenanntes ansteigendes Fußbad machen – wobei die Wassertemperatur durch Zugabe heißen Wassers ansteigen soll.

Fiebersenkende Medikamente sind nur dann sinnvoll, wenn die Stärke der Symptome zum Beispiel den Nachtschlaf stört oder die Belastung für das Herz- und Kreislaufsystem zu hoch ist. Eine Erhöhung der Körpertemperatur ist eine sinnvolle Reaktion des Körpers, um Viren an ihrer Vermehrung zu hindern. Um Risiken auszuschließen, gilt es bei Fieber einen Arzt zu konsultieren, insbesondere bei Kindern.

Hilft Homöopathie bei einem grippalen Infekt? Homöopathische Arzneien werden bei grippalen Infekten oft eingesetzt. Voraussetzung, um das passende Mittel zu finden ist, dass die individuellen Krankheitssymptome genau erfasst werden. Es ist zu berücksichtigen, dass ätherische Öle die Wirkung homöopathischer Arzneien beeinträchtigen können. Man sollte also genau abwägen, ob homöopathisch oder begleitend naturheilkundlich/ phytotherapeutisch behandelt werden soll.

8. Grippaler Infekt beim Kind

Portrait von Dr. Markus Wiesenauer

Markus Wiesenauer

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Dr. Markus Wiesenauer ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Homöopathie, Naturheilverfahren und Umweltmedizin und namhafter Autor zahlreicher Sach- und Fachbücher zum Thema Homöopathie.

Grippale Infekte, üblicherweise als Erkältung bezeichnet, sind die Spitzenreiter bei den kindlichen Erkrankungen. 8 bis 10 Erkältungen im Jahr gelten für Kindergartenkinder als normal. Eine frühzeitige Behandlung mit homöopathischen beziehungsweise naturheilkundlichen Arzneimitteln unterstützt den Körper dabei, die Infektion zu verarbeiten und gleichzeitig das Immunsystem zu trainieren.

Typische Symptome

Für ansonsten gesunde Kinder verläuft ein grippaler Infekt ohne Komplikationen. Überwiegend sind es Viren, die  Nasen- und Rachenschleimhäute befallen und eine Entzündungsreaktion auslösen.

Der Infekt beginnt bei Kindern häufig mit anhaltendem Frieren, dem ein Schüttelfrost folgt bei einem gleichzeitigen Fieberanstieg. Das Kind sieht auffallend blass aus oder hat ein rotes, „glühendes“ Gesicht.

Neben Abgeschlagenheit gehören anfängliche Schluckbeschwerden, Halsschmerzen mit schmerzhaft geschwollenen Halslymphknoten, häufiges Niesen und Schnupfen zu den Hauptbeschwerden. Anfangs ist das Nasensekret wässrig-klar, später kann es sich gelb oder grün verfärben. Auch wenn die Schnupfnase abgeklungen ist, produzieren die Nebenhöhlen weiterhin Schleim. Viele Kinder leiden dann noch tagelang an einem verschleimt klingenden Husten. Kopf- und Gliederschmerzen können bei älteren Kindern einen grippalen Infekt begleiten. Kleinkinder klagen häufiger über Bauchweh.

In den meisten Fällen treten bei einem grippalen Infekt keine Komplikationen auf. Wenn sich die Viren weiter ausbreiten, besteht vor allem bei kleineren Kindern die Neigung zu einer Mittelohrentzündung. Bei älteren Kindern kann sich eine Nebenhöhlenentzündung oder eine Bronchitis entwickeln.

Bei einem grippalen Infekt stellt sich immer die Frage, ob hinter den Symptomen nicht eine andere Krankheit stecken könnte. Bei einer echten Grippe (Influenza) sind die Symptome stärker ausgeprägt als bei einem grippalen Infekt. Bei Influenza tritt oft hohes Fieber auf, das erst nach ein paar Tagen zu sinken beginnt. Kopf- und Gliederschmerzen fallen heftiger aus. Anstatt mit Schnupfen haben Kinder bei einer Influenza eher mit Husten zu kämpfen.

Auch typische Kinderkrankheiten, wie zum Beispiel Keuchhusten oder Masern, beginnen mit Erkältungssymptomen. Bei Schulkindern könnte ein grippaler Infekt in Abhängigkeit von der Jahreszeit mit einem allergischen Schnupfen verwechselt werden.

Eine Mutter hat ihr erkranktes Kind auf dem Schoss und misst Fieber. Das Kind hat einen grippalen Infekt.

Wenn ein Kind kränkelt, sollte man immer die Temperatur messen. Hat es über mehrere Tag hohes Fieber, könnte eine echte Grippe dahinter stecken und ein Arztbesuch ist ratsam.

Wie lange dauert ein grippaler Infekt bei Kindern?

Je nach Immunitätslage klingen die akuten Symptome innerhalb von 7-10 Tagen allmählich ab. Bei Kleinkindern kann es bis zu zwei Wochen dauern.

Was tun bei einem grippalen Infekt?

In den meisten Fällen heilen grippale Infekte ohne Folgen ab. Je nach Begleitsymptomen kann eine Erkältung mit homöopathischen Arzneimitteln und bewährten Hausmitteln behandelt werden.

Bei größeren Kindern kann mit aufsteigenden Fußbädern oftmals bei den ersten Anzeichen eines grippalen Infekts das Schlimmste vermieden werden. Viel Trinken und guter Schlaf sind außerdem wichtig, um das Immunsystem anzukurbeln.

Gegen eine verstopfte Nase helfen Nasentropfen aus Kochsalzlösung. Sie können auch schon bei ganz kleinen Patienten angewendet werden. Auch die hessische „Majoranbutter“ wirkt beruhigend und abschwellend. Sie wird mehrmals täglich unter die Nase getrieben. Nasenduschen und Nasenspülungen sind für Kinder hingegen schwierig anzuwenden und tragen zur Sekretlösung wenig bei. Freier wird die Atmung durch Dampfinhalationen mit einer Kochsalzlösung. Bei älteren Kindern ab 12 Jahren können auch ätherische Öle wie etwa Thymian oder Eukalyptus beigemischt werden. Für die Nacht sind Einreibungen des Brustbeins mit Thymian- oder Myrrhesalbe gut geeignet, sie können auch schon bei Babys unter 6 Monaten angewendet werden.

Gegen Halsschmerzen helfen Halswickel mit kleingeschnittenen, erwärmten Zwiebeln oder zimmerwarmen Quark.

Behandlung durch den Arzt

Eine Mutter mit einem erkältetem Baby macht sich auf dem Weg zum Arzt.

Wenn sich ein Baby heiß anfühlt und Fieber hat oder apathisch wirkt, sollte schnellstmöglich ein Arzt hinzugezogen werden. 

Ein Arztbesuch ist unter folgenden Umständen notwendig:  

  • grundsätzlich wenn es sich um Babys handelt
  • wenn die Beschwerden länger als 1 Woche anhalten oder
  • die Symptome nach ein paar Tagen schlimmer werden
  • das Fieber trotz Wadenwickel oder Zäpfchen nicht sinkt, bei Kleinkindern innerhalb 24 Stunden, bei größeren Kindern innerhalb drei Tagen
  • das Kind schlecht trinkt
  • das Kind auf Ansprache nicht wie gewohnt reagiert
  • Ohrenschmerzen oder Atembeschwerden hinzukommen
  • Ihr Kind starke Kopfschmerzen und einen steifen Nacken bekommt oder apathisch wird 

Mehr Wissen

Grippale Infekte gehören zu jeder Kindheit dazu. Denn das kindliche Immunsystem muss erst noch „lernen“, mit den unterschiedlichen Erregern umzugehen. Bei Kindern, die besonders anfällig sind, können Sie als Eltern ein paar Maßnahmen ergreifen, um die kindlichen Abwehrkräfte zu stärken.  

Ansteigende Fußbäder lassen sich zur Vorbeugung nutzen. Kneipp-Güsse oder Wechselduschen wirken ebenfalls stärkend. Spielen und Sport an der frischen Luft – auch bei Regen – sind ähnlich wirkungsvoll. Denn: Eine Unterkühlung ist selten der Grund für eine Erkältung! Auch mit homöopathischen Arzneimitteln können die körpereigenen Abwehrkräfte unterstützt werden. 

Erkältungsviren werden durch eine Tröpfcheninfektion übertragen. In den meisten Fällen ist es jedoch der direkte Kontakt über die Hände. Eine gute Handhygiene ist nach heutigem Wissensstand der beste Schutz, bei der nächsten Erkältungswelle einmal nicht dabei zu sein.

Das sagt Hebamme Erzsébet Reisinger zur Behandlung von grippalen Infekten bei Babys und Kleinkindern

Hebamme Erzsebet Reisinger

Erzsébet Reisinger

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Erzsébet Reisinger ist Hebamme und Heilpraktikerin mit eigener Praxis, gibt Seminare für Hebammen und ist als Sachbuch-Autorin tätig.

Der sogenannte Nestschutz bewahrt Babys in den ersten Lebensmonaten vor grippalen Infekten. Den notwendigen Mix aus Antikörpern erhalten sie noch vor der Geburt über die Nabelschnur. Wenn Babys diesem Schutz langsam entwachsen, können sie ihre erste Erkältung bekommen. Die häufigste Frage von frischgebackenen Eltern ist dann: „Wie lange dauert ein grippaler Infekt bei Babys?“ In den meisten Fällen ist es ein milder Verlauf. Schon nach einer Woche ist meist alles überstanden.

Ein grippaler Infekt beginnt bei Babys nicht immer mit Schnupfen. Viele Babys schlafen mehr, sind weinerlich und quengelig. Wenn es zu Schnupfen kommt, trinken Babys schlechter als sonst. Denn durch die verstopfte Nase können sie während des Trinkens nicht mehr richtig atmen. Es helfen dann Brusteinreibungen mit Thymian- und Myrrhesalbe. Sie erleichtern die Atmung und fördern den Sekretfluss. Als Nasentropfen eignen sich physiologische Kochsalzlösung oder Muttermilch. Beides kann mit einer Pipette aus der Apotheke in jedes Nasenloch geträufelt werden.

Eine junge Mutter stillt ihr Baby, das an einem grippalen Infekt erkrankt ist.

Wenn ein Baby erkältet ist, bekommt es oft schlecht Luft - vor allem beim Trinken. Brusteinreibungen, bespielsweise mit Thymiansalbe, können die Atmung erleichtern.

Ein gutes Raumklima ist eine Wohltat für die angegriffenen Schleimhäute. Lüften Sie regelmäßig, stellen Sie eine Schale mit Wasser oder hängen Sie feuchte Tücher in der Nähe des Bettchens auf. Bieten Sie außerdem Ihrem Baby immer wieder zu trinken an. Kinder, die gestillt werden, können häufiger angelegt werden. Verdünnter Fenchel-, Thymian oder Lindenblütentee eignet sich für das Fläschchen.

Homöopathische Arzneimittel eignen sich gut, die Beschwerden Ihres Babys sanft zu lindern. Lassen Sie sich hierzu von Ihrer Hebamme, dem Kinderarzt oder Heilpraktiker beraten. Einen Arzt sollten Sie aufsuchen, wenn Ihr Baby anhaltend schreit oder Fieber hat. Eine Mittelohrentzündung ist häufig nur daran zu erkennen. Auch Husten, Erbrechen und pfeifende Atemgeräusche sollten schnell abgeklärt werden.

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9. Weitere Tipps und Vorbeugung von grippalen Infekten

Apothekerin Naciye Arslanoglu

Naciye Arslanoglu

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Naciye Arslanoglu ist Apothekerin und Expertin für Homöopathie und Naturheilkunde aus Nagold.

Es gibt weit über 200 unterschiedliche Viren, die für einen grippalen Infekt verantwortlich sein können. Die Übertragung erfolgt meist über eine Tröpfchen- oder Schmierinfektion.

Vorbeugen

Zur Vorbeugung gehören eine gesunde Ernährung, die reich an Vitaminen und Mineralstoffen ist, aber auch eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung, um die Schleimhäute feucht zu halten. Sorgen Sie durch regelmäßiges Stoßlüften für ein gutes Raumklima. Vermeiden Sie Unterkühlung, Zugluft und halten Sie Ihre Füße warm. Um das körpereigene Immunsystem zu stärken, sollten Sie auch für Bewegung an der frischen Luft, moderaten Sport und ausreichend Schlaf sorgen. Eine Kur mit darmassoziierten Probiotika bietet ebenfalls eine gute Unterstützung für ein starkes Immunsystem. Auch regelmäßiges Händewaschen nicht vergessen!

Tipps bei einem grippalen Infekt

Folgende Maßnahmen tun dem Körper gut und unterstützen ihn beim Gesundwerden.

  • Sich schonen: Hat Sie die Erkältung erwischt, ist Ruhe angesagt. Ihr Körper braucht jetzt all seine Energie, um sich gegen die Viren zu wehren. Indem Sie sich schonen, ausreichend schlafen, sich nicht verausgaben, helfen Sie Ihrem Immunsystem dabei, seinen Job zu erledigen.
  • Vitaminschub: Setzen Sie auf die Kraft des Vitamin C. Knabbern Sie rohe Paprika, trinken Sie zum Beispiel Sanddornsaft. Oder fragen Sie in Ihrer Apotheke nach Vitamin C Präparaten – damit können Sie Ihre Körperabwehr unterstützen, die Erkältungsviren zu bekämpfen.
  • Tee trinken: Kamillentee wirkt entzündungshemmend, Lindenblüten- und Holunderblütentee sind schweißtreibend, Ingwertee wärmt wunderbar durch und wirkt leicht schmerzlindernd.
  • Inhalationen befreien die Nase: Mit Dampfbädern lässt sich Schnupfen lösen, um befreiter durchzuatmen. Als Zusatz zur Inhalation eignen sich zum Beispiel Kochsalz oder Kamille. Alternativ kann man auch eine Nasendusche mit einer physiologischen Kochsalzlösung verwenden.
  • Honig bei Husten: Er zählt zu den ältesten Hausmitteln bei Husten: Echter Bienenhonig kann sich wohltuend auf die strapazierten Schleimhäute auswirken. Mehrmals täglich einen Teelöffel echten Bienenhonig lutschen (Kinder unter einem Jahr dürfen keinen Honig einnehmen!).
  • Wadenwickel bei Fieber: Eine leicht erhöhte Temperatur kann durch kühle Wadenwickel gesenkt werden.

Wann zum Arzt?

In der Regel ist ein grippaler Infekt innerhalb von einer Woche bis 10 Tagen ausgestanden. Halten die Beschwerden aber über einen längeren Zeitraum an, werden sie schlimmer oder stellen sich Atembeschwerden, Atemnot oder Brustschmerzen ein, sollten Sie unverzüglich zu Ihrem Hausarzt gehen. Auch bei Fieber oder bestimmten Vorerkrankungen wie zum Beispiel Asthma, COPD oder Herzschwäche sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

10. Selbstbeobachtungsbögen zum Download

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