Frau hält ihre Brust und tastet diese ab.

Milchstau erkennen und handeln

Die Stillzeit ist eine intime, manchmal auch herausfordernde Zeit. In dieser sensiblen Umstellungsphase können Spannungs- oder Schmerzempfindungen der Brust auftreten, die meist auf einen Milchstau, also eine nicht-infektiöse Abflussblockade der Muttermilch zurückgehen. Dabei steigt der Milchdruck, die Brust ist druckempfindlich und verhärtet. Aus einem unbehandelten Milchstau kann sich eine sogenannte Mastitis (Brustdrüsenentzündung) entwickeln. Neben typischen Entzündungssymptomen wie Schmerzen, Rötung und Überwärmung, treten dabei auch grippeartige Symptome wie Fieber auf. Der Übergang eines Milchstaus in eine Mastitis ist oft fließend. Um eine Mastitis zu vermeiden, ist es daher besonders wichtig, die Warnsignale eines Milchstaus frühzeitig zu erkennen und den professionellen Rat einer Hebamme einzuholen. Insbesondere bei Entzündungsanzeichen ist umgehend eine Ärztin oder ein Arzt hinzuzuziehen, um eine Verschlimmerung zu vermeiden.

Viele Frauen erleben einen Milchstau gerade in Phasen, wenn aufgrund eines Wachstumsschubs ihres Babys vermehrt Milch benötigt und gebildet wird oder wenn Stillmahlzeiten ausfallen. Frühe Warnsignale sind beispielsweise ein Druckgefühl in der Brust oder das Entstehen kleiner, knotiger Verhärtungen im Brustgewebe. 

Definition und Unterschiede – Milchstau vs. Mastitis

Ein Milchstau (Galaktostase) bezeichnet einen gestörten Abfluss der Milch – sie staut sich also in der Brust. Neben tastbaren, knotigen Verhärtungen, sind eine erhöhte Empfindlichkeit und ein Druckschmerz in der Brust typisch. Eventuell liegt eine leichte lokale Rötung und Erwärmung vor, während das Allgemeinbefinden unbeeinträchtigt ist. 

Eine Mastitis (Brustdrüsenentzündung) geht über den Milchstau hinaus. Neben klassischen Entzündungszeichen wie Rötung, Schmerzhaftigkeit und Überwärmung der Brust, kommt es bei einer Mastitis meist auch zu systemischen Reaktionen wie etwa Fieber oder Abgeschlagenheit. Ein unbehandelter Milchstau kann in eine Mastitis übergehen. 

Entstehung von Milchstau und Mastitis – was passiert in der Brust?

Gerät die Balance zwischen Milchbildung und Milchabfluss aus dem Gleichgewicht, übt die überschüssige Milch zunehmenden Druck auf die Milchgänge aus. Der steigende Innendruck führt zu  einer lokalen Reizung. Die Brust oder einzelne Bereiche können sich hart und druckschmerzhaft anfühlen, auch eine leichte lokale Rötung oder Erwärmung der Stellen ist möglich, teils sind knotige Verhärtungen tastbar. Ein Milchstau begünstigt das Entstehen einer Entzündung. Bleibt der Milchstau bestehen, kann dieser in eine Mastitis (Brustdrüsenentzündung) übergehen: Die Symptome verschlimmern sich aufgrund der entstehenden und fortschreitenden Entzündung und auch systemische Reaktionen wie Fieber oder Abgeschlagenheit treten auf. Hinzu kommt, dass die anhaltende Stauung eine Vermehrung von Keimen begünstigt, sodass sich daraus eine bakterielle Infektion entwickeln kann. Auch über verletzte, wunde Mamillen (Brustwarzen) können Keime eindringen und eine Mastitis verursachen.   

Ursachen von Milchstau und Mastitis

Warum staut sich die Muttermilch oder entwickelt sich sogar eine Infektion? Welche beispielhaften Faktoren dabei eine Rolle spielen können, zeigt die folgende Übersicht.

Ursachen Milchstau

  • Störung des Milchspendereflexes durch körperliche oder psychische Belastungen wie Stress und Anspannung
  • Einschnürungen durch zu enge Kleidung oder BH, Tragetücher oder ‑säcke
  • Zugluft, Kälte
  • Verschlossener Milchgang, z. B. durch Fettklümpchen oder Häutchenbildung nach abgeheilten wunden Brustwarzen
  • Mangelnde Entleerung der Brust, etwa durch ungünstiges Anlegen, verlängerte Stillpausen oder aufgrund von Hypergalaktie, einer übermäßigen Milchproduktion, bei der mehr Muttermilch produziert wird als vom Kind benötigt wird
  • Operations- oder Piercingnarben

Ursachen der Mastitis

  • Nicht gelöster bzw. nicht ausgeheilter Milchstau
  • Infektion mit pathogenen Keimen
  • Wunde oder verletzte Mamillen
  • Unzureichende Entleerung der Brust (z. B. Anlegefehler, Hypergalaktie)
  • Körperliche und psychische Belastungen wie Stress, Schlafmangel, Überanstrengung (vgl. Milchstau)

Symptome von Milchstau und Mastitis

Die Unterscheidung, ob es sich noch um einen Milchstau oder schon um eine Mastitis handelt, beeinflusst das weitere Vorgehen. Beim Milchstau dominieren lokale Spannungs- und Druckgefühle ohne systemische, den ganzen Körper betreffende, Krankheitszeichen. Bei einer Mastitis zeigt der Körper hingegen deutliche Entzündungszeichen, vergleichsweise starke Schmerzen und häufig auch Fieber oder grippeartige Symptome wie Abgeschlagenheit.

Symptome von Milchstau

  • Spannungsgefühl, knotige Verhärtungen
  • Druckempfindlichkeit; druckschmerzhafte, leichte Schwellung
  • Leichte Rötung und Erwärmung möglich
  • Allgemeinbefinden nicht beeinträchtigt

Symptome einer Mastitis (Brustentzündung)

  • Lokal begrenzte gerötete, überwärmte und ödematöse Bereiche der Brust
  • Starke Schmerzen in der Brust
  • ggf. Schwellung der axillären Lymphknoten
  • Grippeähnliche Symptome mit Unwohlsein oder Schüttelfrost sowie Fieber
  • Selten Blut oder Eiter in der Muttermilch

Häufige Fragen

Wie gefährlich ist eine Mastitis? Eine früh erkannte Mastitis ist meist gut ärztlich behandelbar (u.U. mit geeigneten Antibiotika), kann unbehandelt jedoch zu Abszessen und ernstzunehmenden Infektionen (Sepsisrisiko) führen. 

Wie lange dauert ein Milchstau? Bei sofortiger Entlastung bessern sich Druck und damit verbundene Druckschmerzhaftigkeit oft schon nach wenigen Stunden – die Hilfe einer Hebamme ist empfohlen, um die konkrete Ursache festzustellen und umgehend passende Maßnahmen einzuleiten.

Wann löst sich die Verhärtung? Ist der Milchstau gelöst, sollte sich auch die Verhärtung im Brustgewebe zügig auflösen.

Kann eine Mastitis Kopfschmerzen verursachen? Ja, systemische Entzündungsreaktionen können Kopfschmerzen und allgemeines Krankheitsgefühl sowie Fieber auslösen.

Kann man während der Schwangerschaft eine Mastitis bekommen? Selten, aber möglich, v. a. im dritten Trimester bei Vormilch und rissigen Mamillen.

Wann zum Arzt? Sobald sich Entzündungssymptome wie etwa Schmerzen, Rötung und Überwärmung einstellen oder sich grippeartige Symptome wie Fieber oder Abgeschlagenheit entwickeln, ist die Frauenärztin oder der Frauenarzt zu konsultieren. 

Bei Anzeichen eines Milchstaus

Nach Absprache mit der Hebamme oder Stillberatung gibt es beispielsweise folgende unterstützende Möglichkeiten. 

Quark in einer Schüssel mit einem Holzlöffel
  • Vor dem Stillen sanfte, feuchte Wärmeauflage (z.B. Waschlappen)
  • Stillpositionen variieren
  • Ggf. nach dem Stillen kühlen (z.B. Quarkwickel, Gel-Pads)
  • Weicher BH, um Einschnüren zu vermeiden
  • Ruhe, genügend Flüssigkeit, nährstoffreiche Ernährung

Wie alle Arzneimittel sollten auch homöopathische Arzneimittel, wie zum Beispiel Globuli, in der Schwangerschaft und Stillzeit erst nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt angewendet werden. In der Homöopathie wird das gesamte Beschwerde- und auch Stimmungsbild betrachtet: beispielsweise, ob Druckschmerz überwiegt, die Brust heiß oder eher kühl ist, der Schmerz stechend oder ziehend empfunden wird, ob man sich reizbar, fröstelig oder weinerlich fühlt. Anhand einer solchen Gesamtcharakteristik wird in der Homöopathie das passende Mittel den individuellen Symptomen entsprechend ausgewählt. Eine homöopathiekundige Therapeutin/ein homöopathiekundiger Therapeut oder das Fachpersonal in der Apotheke kann hierzu beraten. Homöopathie zielt als Reiz- und Regulationstherapie darauf, die körpereigenen Selbstregulationskräfte zu unterstützen, ersetzt jedoch keine ärztlich notwendigen Maßnahmen. 

Insbesondere bei sich verschlimmernden, anhaltenden oder unklaren Beschwerden, Fieber oder Schmerzen ist eine frühzeitige, ärztliche Untersuchung und Abklärung der Beschwerden notwendig, um Komplikationen zu vermeiden. 

Bei Fragen rund um Stillprobleme bietet auch die Hebamme oder eine professionelle Stillberatung wertvolle Unterstützung.

Prävention – vorbeugen, damit es gar nicht erst zum Milchstau kommt

  • Hilfreiche Tipps zu Stillgewohnheiten und Stilltechniken von der Hebamme oder Stillberatung einholen
  • Stillpositionen variieren, um alle Brustbereiche zu entleeren
  • Passende, nicht einschnürende Kleidung tragen
  • Sanfte Mamillenpflege, ggf. Piercings entfernen
  • Stress reduzieren und ausreichend schlafen
  • die Brust vor Kälte schützen
  • Auf Hygiene achten: Händewaschen und Pumpenzubehör gründlich reinigen
  • Schon bei leichten Verhärtungen sofort reagieren und fachkundigen, professionellen Rat einholen

Praktische Tipps für einen entspannten Alltag

  • Auf Körpersignale achten
  • Tiefe Bauchatmung, Summen oder kurze Meditation zum Stressabbau
  • Partner/in um praktische Hilfe, etwa im Haushalt, bitten
  • Ausreichend trinken und nährstoffreich essen
  • Professionelle Unterstützung (Hebamme, Stillberatung) nutzen

Emotionale Stärkung – Schritt für Schritt

Stillen beginnt in einer Zeit, in der sich der Körper noch erholt und sich der neue Alltag erst einspielen muss. Dabei ist es völlig normal bei Stillproblemen, Traurigkeit, Frust oder manchmal sogar Schuldgefühle zu verspüren. Ein vertrauliches Gespräch, sei es mit dem Partner, einer Freundin, der Hebamme oder in der Stillgruppe kann hier Zuversicht spenden. Oft reicht schon ein offenes Ohr, um die innere Anspannung zu lösen. Auch Hilfe anzunehmen, gehört dazu: wenn jemand eine warme Mahlzeit kochen möchte, das Baby eine halbe Stunde spazieren fährt oder anbietet, den Rücken zu massieren – jede entlastende Geste verschafft Raum zum Durchatmen. Daneben können professionelle Angebote wie Stillberatung oder psychosoziale Beratungsstellen unterstützen, wenn Sorgen oder Ängste sich gerade überwältigend anfühlen. Jedes noch so kleine freudige Erlebnis und jede Verbesserung darf gefeiert werden: eine Mahlzeit ohne Ziehen, ein entspannteres Anlegen, ein ruhiger Abend mit dem Baby. Solche kleinen Erfolge summieren sich, stärken das Selbstvertrauen und zeigen wie Schritt für Schritt ein harmonischer gemeinsamer Alltag entsteht.

Schnellübersicht (Milchstau vs. Mastitis)

  Milchstau Mastitis (Brustdrüsenentzündung)
Typische Ursachen Blockierte Milchgänge, unzureichende Entleerung der Brust Unbehandelter oder nicht ausgeheilter Milchstau, 
Infektionsgeschehen, verletzte Mamillen
Symptome Druck- und Spannungsgefühl, Druckempfindlichkeit; ggf. beginnende Rötung und Schwellung Deutliche Entzündungssymptome wie Rötung, Überwärmung, Schmerzen; zudem grippeähnliche Symptome wie Fieber
Allgemeinbefinden Nicht beeinträchtigt Fieber, Abgeschlagenheit, allgemeines Unwohlsein
Primäre Maßnahmen Umgehend den Rat der Hebamme oder Stillberatung einholen. Sobald sich Anzeichen einer Entzündung entwickeln, ist ein Arztbesuch erforderlich. Ärztliche Abklärung und ggf. geeignete Antibiotikabehandlung
Komplikationen Entzündung und Übergang zu Mastitis Abszess, Sepsisrisiko